Häuser in der Bieler Altstadt


Obergasse 1

> Alte Krone

 

Anstelle des alten Rathauses und durch Kauf von zwei weiteren Häusern, liess die Stadt Biel durch Werkmeister Laurent Perroud aus Cressier in der Zeit von 1578 bis 1582 das Gasthaus zur Krone errichten. Das mit zwei Treppengiebeln gebaute Haus ist teilweise geprägt durch spätgotische Fenster. Im Renaissance-Stil steht der Treppenturm mit dem Portal.



Bis zum Jahr 1657 gehörte die Alte Krone der Stadt Biel. Nach verschiedenen Besitzerwechseln kaufte 1732 die Zunft der Waldleute das Haus und baute es um. Aus dieser Zeit stammt der prachtvolle Ausleger des Wirtshausschildes (die daran aufgehängte Krone ist leider verschwunden) und die Wetterfahne mit den drei Tannen auf dem Turmhelm. Wohlhabende Gäste hatten in diesem Erstklasshotel Unterkunft. (Gedenktafeln in der Bieler Altstadt: Am Haus der Alten Krone, Obergasse 1)

 

 

1861 wechselt das Beherbergungsrecht von der Alten Krone zur Neuen Krone an die Kanalgasse (Neubau 1954 als Warenhaus Au Bon Marché / heute Interio) 1915 erwarb die Stadt Biel die „Alte Krone“, baute sie 1918 / 1919 um. Bis 1963 war das Städt. Elektrizitätswerk eingemietet.



Heute beherbergt das Haus im Keller das Kleintheater „Théâtre de poche“, im Erdgeschoss und Estrich befinden sich Ausstellungsräume. Die Büros im 1. und 2. Geschoss sind vermietet. Mit der Renovation von 1990/1991 erhielt die „Alte Krone“ die ursprüngliche Bemalung zurück. Ockerfarbig präsentieren sich heute die Eckeinfassungen, die Fenstergewände und Gesimse

 

Der Ausleger des Wirtshausschildes
angefertigt durch Hufschmied Peter Weck nach einer Zeichnung von Goldschmied Friedrich Witz.

 

1915 Aufnahme ins kant. Inventar der Kunstaltertümer. Seit 1985 ist die „Alte Krone“ im Inventar schützenswerter Objekte der Stadt Biel.

 

1990 / 1991: An der Stirnseite des Gebäudes (zum Ring) zwischen dem 1. und 2. Geschoss wurde die wahrscheinlich um 1915 abgeschlagene Krone rekonstruiert und ersetzt.

(Foto Altstadtleist Biel).
 













Obergasse 8

> Das Zunfthaus der Metzger und Gerber

 

Die Metzgerschal/Schaal (Fleischschal, Fleischbank) befand sich im Durchgang zur Untergasse im Haus Obergasse 8. In den Chroniken sind u.a. folgende Berichte nachzulesen:

 

> 1452: „ Erste Metzgerordnung. Die Metzger werden beeidigt und geloben, das ganze Jahr durch die ganze Gemeinde mit gutem Fleisch zu versorgen und zwar im Preis, zu welchem es jeweilen durch die beeidigten Schätzer geschätzt wird; jedem das verlangte Gewicht zu geben und keinem Kunden mehr als das Verlangte aufzudringen; Kinder und schwangere Frauen vor Anderen zu bedienen, auf allen ihren Bänken und nicht nur auf einem Fleisch auszuhauen, den Armen so gutes Fleisch zu verkaufen wie den Reichen; den Leuten gute Worte zu geben und sie nicht zu beschmutzen.“ (1), Seiten 13+14.



> 1492: „ An öffentlicher Steigerung wird die Schaal an der Obergasse mit dem Durchpass von der Ober- in die Untergasse um 125 Pfund, in zwei gleichen Stössen in 2 Jahren zahlbar, welche inzwischen à 5% verzinset werden sollten, verkauft.“ (1), Seiten 20+21.



> Um 1480: „Wie in früherer Zeit, so waren auch jetzt noch sämmtliche Bürger in Zünfte eingetheilt, die Fischer hatten sich aber aufgelöst, und die Metzger mit den Gerbern vereinigt, so dass nur noch 6 Gesellschaften übrig blieben.“ Im Jahr 1480 setzte sich der Grosse Rat von Biel aus folgenden 56 Zunftmitgliedern zusammen:11 vom Pfauen, 10 von Rebleuten, 8 von Gerbern , 11 von Waldleuten, 8 von Pfistern und 8 von Schuhmachern.“ (2), Kapitel 2, Seiten 22+23.

 

Die Bieler Gerber verkauften das von ihnen verarbeitete Leder hauptsächlich an der Zurzacher Messe.

 

Quellen:

(1) Chronik von Biel von den ältesten Zeiten bis zu Ende 1873. Gesammelt und chronologisch geordnet von Gustav Blösch, Oberrichter. Buchdruckerei von Ernst Schüler, 1875

 

(2) Geschichte Der Stadt Biel und ihres Panner-Gebietes von Dr. C. A. Bloesch Präsident der Einwohnergemeinde und des Gemeinderaths. Druck und Verlag von M. Gassmann, 1855. Nachdruck: Editions Slatkine, Genève 1977, Auflage 300 Ex.







Obergasse 24

> Das Fürstenhaus
>
Haus der Bischöfe von Basel

 

Nachdem 1367 die bischöfliche Burg verbrannt war, erwarb Bischof Johann von Venningen das Haus 1458 neben dem Obertor (Obergasse 24) von Cäcilia von Reinach, Witwe des Rudolf Hofmeister, der Meier in Biel war und dann Schultheiss von Bern wurde. 1550 führte Steinmetz Peter Pagan von Nidau grössere Umbauarbeiten durch.
Das Haus diente zuerst den bischöflichen Meiern (heute kennen wir die Regierungsstatthalter) als Amtswohnung und seit 1620 den bischöflichen Schaffnern.

 

Fürstbischof Joseph Sigismund von Roggenbach, der vor den Franzosen am 30.04.1792 nach Biel geflüchtet war, bewohnte das Haus und das Nachbarhaus bis er am 3.12.1792 nach Konstanz übersiedelte.

 

Der Fürstbischof verkaufte sein Haus am 20.4.1795 an Meier Alexander Wildermeth und an Schaffner Niklaus Heilmann. Die Franzosen konfiszierten 1798 das Haus und verkauften es an den ehemaligen Pfarrer von Péry Georges Auguste Liomin.



1852 gründete Ernst Schüler eine Druckerei, redigierte und druckte ab 1853 den „Schweizer Handels-Courier“, verlegte seine Druckerei 1865 bis 1881 in das ehemalige Fürstenhaus an der Obergasse 24.

 

Bischof Melchior von Lichtenfels liess 1558 an der Hausfassade den heute noch erhaltenen Wappenstein anbringen, dieser wurde jedoch in der Revolutionszeit beschädigt. Die Umrisse lassen aber noch das von Engeln gehaltene Bistumswappen erkennen, darunter befindet sich das Familienwappen, (ein goldener Pflug und ein goldenes Beil auf schwarzem Grund) sowie die Jahrzahl MDLVIII (1558)

 

Verewigt hat sich auch Bischof Jakob Christoph Blarer von Wartensee. Er liess 1589 u. a. einen neuen Treppenturm errichten, im Schlussstein des Kreuzgewölbes wurde das Bistumswappen mit dem Familienwappen des Bischofs, einem roten Hahn auf silbernem Grund, der Jahrzahl und einer Inschrift angebracht. (Der Treppenturm ist öffentlich nicht zugänglich).

 

Quellen:

Stadtgeschichtliches  Lexikon von Werner und Marcus Bourquin 1999
 







Juravorstadt 1

„Der Anbau Juravorstadt 1 enthält vermutlich Reste des Zollhauses von 1457; heutiger Umriss ohne Treppenhausbau wohl noch 18. Jh..“ (aus Liegenschaftsbeschrieb).

Quelle:
Liegenschaftsbeschrieb Juravorstadt 1, 3, 5 und 7, Eigentümer: Immobilien AG, Juravorstadt 1



Juravorstadt 3

> Der Fürstenspeicher
> Zehnt- oder Fürstenspeicher
>
Ehemaliges Kornhaus

 

Die Bischöfe von Basel, Johann Conrad von Roggenbach (am 13.07.1693 gestorben) und Jakob Rink von Baldenstein liessen in der Zeit von 1693 bis 1696 den frühbarocken Zweckbau erstellen. Das Sockelgeschoss besteht aus Buckelquadern, die Obergeschosse waren ursprünglich nur mit Schiessschartenfenstern versehen.
 

Bei der Zufuhr des Baumaterials fiel die dortige Stadtmauer ein und beschädigte das davor liegende Zollhaus, welches auf Stadtkosten neu errichtet wurde. 1798 verkauften die Franzosen den Fürstenspeicher an Georges Auguste Liomin, der auch das Fürstenhaus, Obergasse 24 ersteigerte.
1866 errichtete Franz Walter an der Juravorstadt eine Bierbrauerei; der ehemalige Fürstenspeicher diente als Eisfabrikationsanlage. Weitere Umbauten erfolgten im 20. Jahrhundert mit verschiedenen Nutzungen.

Quellen:
> Stadtgeschichtliches Lexikon von Werner und Marcus Bourquin, 1999, Seite 152 (im Buchhandel erhältlich.)
> Liegenschaftsbeschrieb Juravorstadt 1, 3, 5 und 7. Eigentümer: Immobilien AG, Juravorstadt 1.





Juravorstadt 9, das Volkshaus von 1916-1932

 

1863 bekannte sich der Grüttliverein zur Sozialdemokatie und

verband sich in der Folge mit der Arbeiterunion.

Eine Volkshaus-Betriebsgenossenschaft mietete vom 1.05.1916

bis am 31. Oktober 1932 neue Lokalitäten an der Juravorstadt 9

in der Brauerei des Franz Walter.

Die feierliche Eröffnung des neuen Volkshauses mit Umzug und

Musik (Union instrumentale) fand am 3.September 1916 statt.







Der Juraplatz

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Bis zur Eröffnung der Jura-Eisenbahnlinie im Jahr 1874 diente der Platz als Postkutschenstation.

Auf Bild Nr. 3, die Abfahrt der letzten Jurapost am 29. April 1874 beim Postbüro auf dem Jura-Platz vor dem Hotel Jura.

Hier fuhren die Postkutschen nach Bern, Neuenburg und Richtung Jura ab.

 

Die Juravorstadt bildete so für Biel das Tor zur Welt.

 

Nach 1874 nahm seine Bedeutung rasch ab.

 

Die um 1900 enstandene Aufnahme zeigt links im Bild Nr. 5, an

der Untergasse, das Haus mit der Pharmatie du Jura, das bis

1874 das Hotel du Jura beherbergte.

 

  

Das bedeutende Hotel mit der Poststation konnte am 28.April 1836,

nach dem Abbruch des Untertores gebaut werden.

 

Der Platz wurde für fast ein halbes Jahrhundert zum Zentrum der modernen Stadtentwicklung.

 

Auf dem Bild Nr. 4, sieht man das erste Tramhäuschen um 1902.

 

Das aktuelle Bild Nr.1 zeigt das 1933 erbaute Tramhäuschen.

Der "Pilz" dient heute als Trolleybusstation und steht unter Denkmalschutz.

 

Auf Bild Nr.6, Pharmacie du Jura während des Baus des ersten

Tramhauses mit Trafostation. Die Säule links ist der erte Typ einer Trafo-

Station, einer "Tourelle", aufgestellt im Jahr 1900.

Der Brunnen steht heute in der Champagneallee.

Aufnahme von 1908.